Rauchen
„Wat is’n hier los?“ – Doch am Blick des Tankwarts, der mich anstarrte wie ein vom Staubsauger gejagter Hamster, wissend darum, daß dieses alles verzehrende schwarze Loch ihn gleich ins Jenseits befördern wird, erkannte ich fast sofort, daß meine Frage völlig bescheuert war. Denn die drei Typen in den weißen Overalls waren gar nicht vom Reinigungsdienst. Sie trugen, das konnte ich jetzt erst erkennen, schwarze Fechtmasken und waren für Putzboys einfach zu schwer bewaffnet. Vielleicht, dachte ich, sind es ja Kammerjäger!?
„Hau ab!“, kläffte mich einer von ihnen wie ein Terrier an. – Gut, geh‘ ich eben wieder... Doch daraus wurde nichts. Der „Kammerjäger“, der mit seiner Waffe bis jetzt noch den Tankwart bedroht hatte, überwand mit einem eleganten Sprung die Theke und war mit einem Satz neben mir. „Wenn du jetzt gehst, schieß‘ ich dir ins Gesicht!“ – Hmm, ein guter Grund noch ein wenig zu bleiben. – Stille. – „Was mammer jetz? So eine Scheiße!“, wuffte der Hund. „Warte, laß mich nachdenken!“ – Schweigen. – Phantastisch: Ein Oberschwachmat, der sich für Arnold Einstein hält, ein Hund und eine Puppe – der Dritte im Bunde hatte noch nichts gesagt oder sich etwa bewegt und das sollte auch so bleiben – also drei minderwertige Lebensformen überfallen eine Tankstelle. Doch, der Kassierer ist ein Hamster.
Vorsichtig versuchte ich, die Situation ein wenig zu entschärfen: „Also, ich brauch‘ nur ‘n paar Kippen, dann bin ich gleich wieder weg...“ „Klappe zu, du Sack! Ich denke nach!“ Und da ich es gewagt hatte, das Verbrecherhirn bei der Arbeit zu stören, mußte ich bestraft werden. Ich bekam einen Schlag in die Magengrube und fand mich, nachdem der Schmerz nachgelassen hatte, auf dem Fußboden wieder. Aber die sportliche Betätigung meines Peinigers schien sein Denkzentrum mit frischen und guten Ideen versorgt zu haben. Was soll man auch mit einem Studenten anfangen, der direkt umfällt, wenn man ihn ein wenig schlägt. „Also gut, hol‘ dir deine Kippen und dann verpiss dich!“ Ich rappelte mich auf, ging zur Theke, hinter der immer noch der Tankwart auf seine Exekution wartete, und bestellte ein Päckchen Gauloises. Dieser reichte mir wortlos eine rote Schachtel. „Blau“, sagte ich. Doch er schien mich gar nicht zu hören. „Die Starken. Die blauen Gauloises, bitte.“ Wie in Trance drehte er sich wieder um und gab mir das gewünschte Produkt. Ich griff die Schachtel, bedankte mich und ging. – Klasse, wenn ich hier raus bin, tank‘ ich noch voll. Und den Playboy nehm‘ ich auch mit...
